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[Test] - Marvel's Iron Man VR


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Während Naughty Dogs The Last of Us: Part 2 und das an diesem Freitag erscheinende Ghost of Tsushima beinahe das komplette mediale Rampenlicht einzunehmen verstehen, bleibt der von Camouflaj entwickelte PlayStation VR-Titel Marvel's Iron Man VR in der Berichterstattung leider etwas auf der Strecke. Um das zu ändern, versuche ich folgend mal zu klären, ob sich das Virtual Reality-Spiel mit der teuren Lizenz lohnt. Und falls ja, für wen.

 

 

Zu Iron Man, also Tony Starks Alter Ego, braucht man spätestens nach dem Start des Marvel Cinematic Universe eigentlich nicht mehr viel sagen. Nachdem seine Firma, Stark Industries, jahrzehntelang Waffen hergestellt hat, wandte er sich irgendwann davon ab und setzt nun auf erneuerbare Energiequellen. Doch seine Vergangenheit holt ihn in Form der mechanisch verbesserten Widersacherin Ghost ein, die nicht nur den Superhelden Iron Man attackiert, sondern ihre zahlreichen Drohnen gegen Verbündete und Geliebte einsetzt.

 

Zeit also selbst in den maßgeschneiderten eisernen Anzug Tony Starks zu schlüpfen und als Iron Man gegen diese mächtige Gegnerin anzutreten. Wir erleben das Geschehen dabei immer aus Tonys Perspektive, was sich in der virtuellen Realität selbstverständlich anbietet. Doch nicht nur in den zahlreichen verschiedenen Level, sondern auch zwischen den Missionen werden wir zu Iron Man, beziehungsweise Tony Stark. Dabei können mitunter Entscheidungen getroffen und so der Gesprächsverlauf marginal beeinflusst werden. Auswirkungen auf die Handlung hat das alles zwar nicht, steigert die Immersion aber allemal. Leider ist die Story über weite Teile sehr vorhersehbar, aber dafür ganz ordentlich erzählt. Und gerade Fans der Comics und Filme dürfen sich auf ein Wiedersehen mit der ein oder anderen bekannten Figur freuen.

 

Zwischen acht und zehn Stunden dauert es, sich durch die Kampagne zu kämpfen und zu fliegen, wobei man zwischen den Missionen immer in Tonys Anwesen in Kalifornien landet. Dort kann man das nächste Level auswählen, bereits besuchte nochmals spielen oder sich an verschiedenen Herausforderungsmissionen versuchen. VR-typisch warten hier auch einige Spielereien - wie beispielsweise das Aufheben verschiedener Gegenstände, die sich aus der Nähe begutachten lassen, oder Nahrungsmittel, die man dank des Move Controller-Trackings an den eigenen virtuellen Mund führen kann - einen spielerischen Mehrwert haben diese aber nicht. Dagegen überzeugt das kleine Basketballspiel schon eher, wenngleich auch dieses nicht viel mehr als ein nettes Gimmick ist.

 

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Den spielerischen Mehrwert haben wir dann in den eigentlichen Missionen, in denen wir gefühlt zum Superhelden Iron Man werden können. Die ersten Male war das zugegebenermaßen noch überfordernd, nach einiger Eingewöhnungszeit macht aber gerade das Fliegen und die Kämpfe gegen die zahlreichen Gegner richtig viel Spaß. Dabei setzt Entwickler Camouflaj auf die erwähnten Move Controller als Steuerungsmethode. Und das macht hier sogar richtig viel Sinn. Denn jeder Controller simuliert quasi eine der Hände des Helden. Werden die Handflächen nach unten gerichtet, kann man sich durch Knopfdruck schwebend in der Luft halten, beziehungsweise nach oben und unten beqegen, werden sie indes nach hinten gerichtet, fliegt man geradeaus. Und wem das doch nicht wild und schnell genug ist, der kann zusätzlich einen Boost-Modus aktivieren, dank dem man kurzzeitig mit hoher Geschwindigkeit durch die virtuellen Welten rasen kann.

 

Die Steuerung wirkt im ersten Moment noch recht intuitiv, doch gerade die ersten Feindkontakte, verpassen diesem ersten freien Spielgefühl einen leichten Dämpfer. Plötzlich muss man nicht nur darauf achten, in welche Richtung man fliegt, sondern schnelle Drehungen vollführen und die Move Controller nach vorne bewegen, um Gegner anzuvisieren. Auf Knopfdruck feuert man dann aus allen Rohren, kann späterhin noch auf Raketen und Iron Mans Unibeam-Attacke, einen mächtigen Energiestrahl zurückgreifen. Mit fortschreitender Spielzeit gehen die verschiedensten Manöver allerdings gut und angenehm von der Hand. Das liegt einerseits an der Übung, andererseits daran, dass es nur eine überschaubare Anzahl verschiedener Gegnertypen gibt. Bei den einen muss man erst die Schilde deaktivieren, während andere empfindlicher auf diesen oder jenen Angriff reagieren. Es ist taktisch überschaubar und wird sehr schnell zur reinen Arcade-Ballerei.

 

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Eine die auf Dauer dann sogar etwas monoton wird, weil lediglich die Boss-Kämpfe etwas Abwechslung ins Spielgeschehen bringen. Auch hier sollte man keine Superheldenfilm-typische Epik erwarten, aber Spaß machen sie allemal. Zumal man sich zwischen den Missionen auch damit beschäftigen kann, das perfekte Loadout für Iron Man zu finden. Die Schubdüsen lassen sich verbessern, oder es werden neue Waffentypen freigeschaltet, sowie Notfallsysteme ausgebaut. Die dafür benötigten Punkte gibts durch Abschluss der Hauptmissionen. Je besser man sich dort schlägt, umso schneller kann man seine Systeme aufrüsten. Das motiviert durchaus, zumindest wenn man sich auf das repetive Spieldesign einlassen kann.

 

Grafisch bewegt sich Iron Man VR gerade für PlayStation VR-Verhältnisse auf solidem Niveau. Die Effekte sind mitunter schön anzusehen und gerade andere Charaktere wirken in Gesprächen - und somit in Nahaufnahme - durchaus hübsch anzusehen. Die Level selbst lassen zwar einige Details vermissen, aber wenn man sich mit gefühlter Überschallgeschwindigkeit durch diese bewegt und gleichzeitig damit beschäftigt ist, eine Drohnenarmee auszuschalten, fällt das nicht weiter negativ auf. Bis man stirbt oder ein neues Kapitel laden muss, heißt das.

 

Denn die Ladezeiten gehören mit zu dem längsten, was ich in den letzten Jahren aushalten musste. Zeit ist ja durchaus subjektiv, aber mit aufgesetztem VR-Headset mitten im Sommer zwei, drei Minuten auf einen monotonen Bildschirm starren zu müssen, fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Aber auch ohne diese Übertreibung gilt, dass die Ladezeiten zu lange sind und den Spielfluss enorm ausbremsen. Dadurch wird dann auch die Immersion gestört.

 

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Und diese ist eigentlich einer der größten Pluspunkte des Spiels. Denn tatsächlich fühlt es sich fantastisch an, in die Rolle von Iron Man zu schlüpfen. Die verschiedenen Level im Flugmodus zu bereisen und mit den Thrustern auf Gegner zu feuern, fühlt sich tatsächlich wahnsinnig gut an. Ich wollte erst authentisch schreiben, aber dazu fehlt mir der Vergleich. Nichtsdestotrotz würde ich an dieser Stelle schreiben wollen, dass sich Marvel's Iron Man VR so nah am virtuellen Heldensein anfühlt, wie nur irgendwie möglich. Zumindest ohne sich selbst einen mehrere Milliarden teuren Anzug zu bauen.

 

Die Steuerung funktioniert ebenfalls sehr gut, wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat. Und dank mehrerer Anpassungsmöglichkeiten lässt sich auch die Motion Sickness bei besonders anfälligen Personen weitestgehend verhindern. Ich für meinen Teil hatte zwar das ein oder andere Mal Probleme mich im Spiel zu orientieren, aber Übelkeit oder Kopfschmerzen kamen zu keinem Zeitpunkt auf - und das obwohl ich die Vignette abgeschaltet hatte und im Stehen spielte.

 

Aufgrund der Verkabelung des PlayStation VR-Headsets und dem doch eher unzeitgemäßen Tracking via Lichtkugeln der Move Controller würde ich ohnehin das Spielen im Stehen empfehlen. Zwar könnte man auch in einem Sessel ohne Armlehnen spielen, aber selbst das erscheint mir eher suboptimal. Allerdings sollte man so oder so bei schnellen, beziehungsweise allzu häufigen Drehungen manchmal kurz das Visier lüften, um sich einen Eindruck darüber zu verschaffen, wo man sich gerade im realen Raum bewegt. Das ein oder andere Mal habe ich mich aus dem Trackingbereich herausgedreht und hatte die Kabel schon halb um den eigenen Körper gewickelt. Zum Glück hat Marvel's Iron Man VR auch dafür einen Warnbildschirm, der einen sogar ins Pausemenü befördert, sollten sich Kabel zu sehr um die Achse des Spielenden geschlungen haben.

 

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FAZIT

 

Marvel's Iron Man VR bietet viele tolle Ideen und einige sehr gut funktionierende Spielmechaniken, die leider nicht vollends ausgereizt werden. Dafür sind es leider zu wenig Gegnertypen und generell zu wenig Abwechslung. Die Spielzeit ist mit acht bis zehn Stunden überraschend lang, was den soeben erwähnten Kritikpunkte allerdings noch mehr Gewicht zukommen lässt. Nichtsdestotrotz muss man sagen, dass das Tracking meist sehr gut funktioniert und das Spiel vor allem einfach sehr viel Spaß machen kann - auch wenn es bei einigen Spielmechaniken erst nach einigen Kapiteln Klick macht.

 

Unterm Strich fand ich Batman: Arkham VR stimmungsvoller, aber auch der Ausflug zur direkten Konkurrenz von Marvel hat ein paar richtig gute und vor allem beeindruckende Momente. Und wie so oft gilt auch bei Marvel's Iron Man VR, dass man den durch die virtuelle Realität entstehenden Wow-Effekt nicht wirklich in Worte fassen kann. Dementsprechend ist meine Empfehlung für alle Zweifelnden, die kostenlose Demo-Version aus dem PlayStation Store zu laden. Aber auch die Vollversion lohnt sich für all diejenigen, denen es nach schneller Action dürstet. Suit up!

Infos
Marvel's Iron Man VR
Marvel's Iron Man VR Packshot
Publisher: Sony Computer Entertainment
Entwickler: Camouflaj
Release: 2020-07-03
Zusammenfassung
Ein gut inszeniertes aber leider recht repetitves Action-Spiel für PlayStation VR. In den meisten Momenten fühlt man sich tatsächlich wie Iron Man, die langen Ladezeiten und die doch sehr flache Story kratzen aber an der Spielerfahrung. 7,5 /10
Positiv
  • Tolles Superhelden-Feeling
  • Überraschend großer Umfang
  • Zusätzliche Minispiele & Herausforderungen
Negativ
  • Repetitve Baller-Einlagen
  • Nur wenige Gegnertypen
  • Ladezeiten aus der Hölle
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