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[Test] - Destroy All Humans!


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Machen wir uns mal nichts vor. Ein Blick auf die bevorzugte Nachrichten-Seite, zwei Blicke zurück in die Vergangenheit, oder drei nach vorne in die Zukunft und man muss unweigerlich zu dem Schluss kommen, dass sich die Menschheit entweder selbst vernichtet oder vernichtet wird - auf die ein oder andere Art und Weise. Nun, aber es gibt ja tendenziell Hoffnung. Zum Beispiel könnten uns Außerirdische retten, man denke da nur an Leeloo aus Das fünfte Element, die lernen musste, dass trotz aller Zerstörung die Liebe einer der größten treibenden Kräfte der Menschheit sein kann. Wer nun denkt, dass ich innerhalb weniger Zeilen vom Zyniker zum Hippie wurde, liegt womöglich nicht grundsätzlich falsch. Allerdings ging es mir mehr um die Überleitung. Denn gewiss nicht jedes Alien wird zu dieser Einsicht gelangen. Manche werden die Erde eben einfach brennen sehen wollen. So wie Crypto in Destroy All Humans! In dem Remake dürfen wir dieses Schicksal selbst erspielen. Ob sich das für eine der Seiten lohnt, soll der folgende Test klären.

 

 

Destroy All Humans! wurde im Jahr 2005, damals noch unter der Leitung von THQ, für PlayStation 2 und die originale Xbox veröffentlicht. Schon damals - ist ja immerhin 15 Jahre her - überzeugte der Titel mit spaßigen Arcade-Shooter-Einlagen in einer mehr oder weniger offenen Spielwelt, schrägem Humor und einem auf äußerst unsympathische Art und Weise sympathischen Hauptcharakter, dem grauen Alien Crypto. Es folgten noch zwei weitere Titel der Reihe und die Insolvenz des Publishers im Jahre 2018. Ob das eine mit dem anderen zu tun, darf bezweifelt werden, zumal die Spiele der Reihe sich durchaus großer Beliebtheit erfreuten.

 

Und eventuell kehrt das Bewusstsein für diese Marke nun ja mit dem Remake des Erstlings zurück. Denn bereits auf den ersten Blick offenbart sich, dass man sich durchaus Mühe gegeben hat. Die Grafiken wirken nicht nur generell knackiger - was ja das Mindestmaß dessen wäre, was ein Remaster leisten muss - sondern wurden komplett überarbeitet ins Jahr 2020 gebracht. Das deutsche Entwicklerstudio Black Forest Games setzt hierbei auf die Unreal Engine und zaubert eine nicht ganz runde, aber grafisch durchaus ansehnliche und vor allem zeitgemäße Kulisse auf aktuelle Konsolen, wie man dem oben eingebundenen Video entnehmen können sollte.

 

Gleichzeitig wurde der Titel komplett neu in deutsch vertont und setzt nun auch auf bekanntere deutsche Sprecher, die insgesamt einen ordentlichen Job machen. Die englische Synchro bietet nach wie vor das bessere Gesamtpaket, da hier die Dialekte der US-amerikanischen Einwohner besser zur Geltung kommen, aber beide Fassungen funktionieren sehr gut. Zudem wurde noch eine komplett neue Mission eingebaut, die beim Originalrelease der Schere zum Opfer gefallen war. Dementsprechend liegt uns mit dem Remake von Destroy All Humans! genau genommen nicht nur eine grafisch aktualisierte, sondern eben auch erweiterte Fassung vor. 

 

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Zumindest bis zu diesem Punkt, denn dort hören die Unterschiede auch schon auf. Klar, im Vergleich zum Original funktioniert die Steuerung nun besser und ein paar Quality of Life-Verbesserungen (zum Beispiel eine Lock On-Funktion) haben ihren Weg ins Remake gefunden, aber sowohl die Geschichte als auch der Aufbau der Missionen bleiben selbstverständlich gleich. So schlüpfen wir also nach wie vor in die Rolle des bissigen Außerirdischen Crypto, einem Mitglied der furonischen Armee, die auf der Erde gelandet sind, um mit dort zu exrahierenden DNA-Strängen Klone ihrer eigenen Bevölkerung herstellen wollen.

 

Doch die Erdlinge der 1950er wollen das natürlich nicht mit sich machen lassen und greifen das "kleine grüne Männchen" ständig an. Zum Glück können wir als Spieler nicht nur auf unsere zuverlässige Strahlenkanone zurückgreifen, sondern auch dank telekinetischer Fähigkeiten mit Kühen, Kisten oder ... nun ja, anderen Menschen zum Angriff blasen. Daneben warten noch Gimmicks wie die obligatorische Analsonde und zahlreiche Verbesserungen darauf, eingesetzt zu werden. Hey, um die Gehirne zu extrahieren, muss man bereit sein, entsprechende Hilfsmittel einzusetzen. Denn nur so kann man Crypto und sein Raumschiff im Verlauf der knapp 10 Stunden langen Kampagne aufrüsten und die Fähigkeiten Stück für Stück verbessern.

 

Nach Beendigung einer Mission kann man aber auch jederzeit in die semi-offenen Areale - von denen es immerhin sechs verschiedene gibt - zurückkehren und sich an kurzen Herausforderungsmissionen versuchen, um zusätzliche Gehirnnahrung und weitere Booster freizuschalten. Das Gameplay funktioniert gut und sowohl Crypto als auch seine fliegende Untertasse steuern sich ordentlich, wenngleich natürlich sehr arcadig. Shooter-Spieler aus dem Jahre 2020 sind hier auf jeden Fall besseres gewohnt, das ändert aber nichts daran, dass es durchaus Spaß macht, sich mit Crypto durch die Reihen durchdrehender Rednecks oder geheimnisvoller Agenten in Schwarz zu ballern. Flugeinlagen im Raumschiff und durchaus knackige Bosse tragen zu spielerischer Abwechslung bei.

 

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Dass die Story in den 1950ern angesiedelt ist, trägt dabei einiges zum Unterhaltungswert bei. Erstens, ist es eine in Spielen sträflich vernächlässigte Ära und zweitens passt es eben ganz gut zum angeblichen Absturz eines Ufos in Roswell und der sagenumwobenden Area 51. Die Epoche wird aber stimmungsmäßig sehr gut eingefangen und liefert dank der selbstironischen und schwarzhumorigen Darstellung, regelmäßig Lacher. Ohnehin ist Destroy All Humans! ein sehr witziges Spiel, wenn man denn etwas mit dem Humor anfangen kann.

 

Technisch und grafisch werden (wie erwähnt) keine Augenweiden gepflanzt, funktionell ist das Wäldchen aber auf alle Fälle. Leider bricht die Framerate trotz veröffentlichter Patches nach wie vor manchmal ein und Texturen werden zu spät geladen. Außerdem - und hier merkt man das alte Grundgerüst am ehesten - trifft man immer wieder die gleichen NPCs, die sogar das ein oder andere Mal wieder spawnen, obwohl man sie schon erledigt hatte. Das alles wackelt natürlich am Wertungsstuhl, auf dem ich den Titel platzieren möchte. Aber gerade für Zwischendurch eignet sich Destroy All Humans! trotzdem. Zumal das Remake mit gerade mal 29,99 € eben auch kein Vollpreistitel ist. Und dafür wird doch einiges an Kurzweil geboten.

 

Fazit

 

Crypto ist ein Relikt einer anderen Zeit. Spielerisch merkt man, dass das selbstgefällige Alien seine Wurzeln in der Playstation 2-Ära geschlagen hatte. Und trotz der gelungenen Frischzellenkur sieht der Titel nicht nach AA- oder AAA-Videospiel aus. Aber das muss er auch gar nicht. Denn für den günstigen Preis bekommt man ein zwar wenig abwechslungsreiches, aber äußerst humorvolles und vor allen Dingen sehr spaßiges Abenteuer geliefert, mit dem man einige unterhaltsame Stunden verbringen kann. Der derbere Humor wird nicht Jedermanns Geschmack treffen und bei einigen eher für eine gerunzelte Stirn und rollende Augen, denn für Lachfalten sorgen. Aber auch das ist nicht tragisch. Mit mehr technischem Feinschliff wäre Destroy All Humans! problemlos im "guten" Bereich gelandet, so wird es eben ein "Befriedigend" mit Tendenz nach oben.

 

Denn im Grunde ist Destroy All Humans! eben vor allem ein ordentliches Remake. Leider ist es insgesamt zu nah am Original, um aus der Masse herausragender Remakes herauszustechen. Aber gerade diese Nähe sorgt auch dafür, dass der ursprüngliche Charme des Titels erhalten bleibt. Und jetzt auf zur Zerstörung der Menschheit!

 

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Infos
Destroy All Humans!
Destroy All Humans! Packshot
Publisher: THQ Nordic
Entwickler: Black Forest Games
Release: 2020-07-28
Zusammenfassung
Ordentlicher semi-Open World-Shooter mit viel schwarzem Humor. Cryptos Ausflug mag spielerisch nicht ganz up to date sein, aber das Gameplay macht nach wie vor Spaß. Dank einiger Quality of Life-Verbesserungen und inhaltlichen Anpassungen ist das Remake definitiv das rundere Paket. Zumal der Preis überzeugt. - 7,3/10
Positiv
  • Gelungenes grafisches Update
  • Bitterböser Humor
  • Spaßige Arcade-Shooter-Einlagen
  • Verbesserungen und Erweiterungen der Spielmechaniken
Negativ
  • Technische Probleme und Bugs
  • Langfristig zu wenig Abwechslung
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