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[Test] River City Saga: Three Kingdoms


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Von River City Ransom über River City: Tokyo Rumble bis hin zu River City Girls – seit über 30 Jahren prügeln sich Spieler unterschiedlichster Plattformen durch die gefährlichen Straßen River Citys.

 

Mit dem neusten Ableger wagt Arc System Works eine Reise in die Vergangenheit und versucht sich an einer Neuinterpretation des klassischen chinesischen Romans „Romance of the Three Kingdoms“. Ob der humorvolle Blick River City: Three Kingdoms‘ in eine solch turbulente Zeitperiode geglückt ist, klärt der folgende Test.

 

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Unsere Geschichte beginnt vor 1800 Jahren im antiken China. Die Han Dynastie regiert seit mehr als 400 Jahren mit eiserner Hand über die lokalen Landstriche. Korruption wuchert an allen Extremitäten des brutalen Regimes und zu allem Überfluss verwüsten Krankheiten und Umweltkatastrophen die verarmten Provinzen. Nur ein mutiger Mann scheint gewillt, sich der vermeintlichen Übermacht zu stellen: Guan Yu. Auf seinem Weg wird er scheinbar unüberwindbare Hindernisse erklimmen und loyale Verbündete rekrutieren müssen. Ob ihm dies gelingt? Lasst ihr Guans stahlharte Fäuste sprechen oder werdet ihr letztlich doch in die Knie gezwungen?

 

Wie in dieser kurzen Zusammenfassung der Geschichte bereits durchschimmert, möchten die Entwickler ihrem Quellmaterial einen ganz besonderen Anstrich verleihen und schenken der Story überraschend viel Aufmerksamkeit. Angesichts des Genres, welches zumeist mit wenigen Sätzen auskommt, trägt River City Saga die Handlung in umfangreichen Dialogboxen im Visual-Novel-Stil vor, die leider des Öfteren der coolen Action entgegenwirken. Der historische Hintergrund ist zwar durchaus interessant, da ein Einblick in eine sonst eher weniger betrachtete Zeitperiode geboten wird, die eigentliche geschichtliche Aufbereitung ist aber verbesserungswürdig. Deutlich charmanter sind demgegenüber die dutzenden humoristischen Einschübe, welche vor allem durch Guan Yus wildes Temperament ausgelöst werden und den ein oder anderen Lacher hervorrufen. Wer jedoch eine epische Saga im Stile der Realvorlage sucht, ist bei River City Saga definitiv am falschen Platz, denn ultimativ geht es auch hier nur darum, die virtuellen Fäuste fliegen zu lassen.

 

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Und dies meistert das Beat 'em up größtenteils auf eine adäquate Art und Weise. Der Titel ist in mehrere Kapitel unterteilt und folgt einer offeneren Zonenstruktur, in welcher ihr an einen einmal entdeckten Ort zurückkehren könnt. Hierbei handelt es sich zumeist um Dörfer, in dem NPCs ihr Waren feilbieten oder neue Aufgaben für unseren Protagonisten bereithalten. Der Titel erinnert somit stark an ein Rollenspiel und das kommt nicht von ungefähr, denn River City Saga schnappt sich nicht nur kleine, individuelle Aspekte des Genres, sondern inkorporiert alle wichtigen Kernelemente, die ein vernünftiges Rollenspiel besitzen muss, was bereits beim Kampfsystem anfängt.

 

Während ihr zu Beginn eurer beschwerlichen Reise zunächst nur einen simplen Schlag, einen Tritt, einen Wurf, einen Sprung, einen Block und möglicherweise eine im Level aufgenommene Waffe besitzt, dauert es nicht allzu lange, bis ein großzügiger Questgeber eine Schriftrolle parat hat. Diese lehrt den aussagekräftigen „Mach Punch“ und offenbart die wundervollen Individualisierungsmöglichkeiten des umfangreichen Systems. Insgesamt stehen sechs Slots zur Verfügung, welche mit den verschiedensten Fähigkeiten bestückt werden können, um Guan Yu perfekt den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Soll der einfache Schlag einem Trommelwirbel aus Hieben weichen? Oder darf es doch lieber ein Kamehame Ha aus der Entfernung sein? Alles kein Problem – vorausgesetzt natürlich, ihr erwerbt die nötigen Fähigkeiten in einem der städtischen Shops oder helft Anwohnern bei ihren zahllosen Quests.

 

Reichen Standardattacken einmal nicht aus, füllt sich während der Schlägereien die sogenannte Fokusleiste, die einen ultimativen Angriff entfesselt. Guan Yu kann zum Beispiel kurzzeitig die Zeit um sich herum verlangsamen und jeden Feind einen Kopf kürzer machen oder schnellstens einer brenzligen Situation entkommen. Insbesondere letzteres ist oftmals lebensnotwendig und fördert ein eklatantes Problem von River City Saga zutage.

 

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Im Spiel bewegt ihr euch frei von links nach rechts. Zusätzlich könnt ihr ebenso wie in vielen anderen Beat 'em ups innerhalb der Sidescroller-Levels auf einer fixen Ebene nach oben und nach unten marschieren. Dies führt in zahlreichen anderen Titeln oftmals dazu, dass eure Angriffe verfehlen, da ihr nicht auf perfekter Augenhöhe mit eurem Gegenüber seid. River City Saga umgeht dieses nervige Phänomen die meiste Zeit, der Grund hierfür ist allerdings weniger positiv.

 

Wie kaum in einem anderen Genrevertreter bombardieren euch die Entwickler nämlich mit Heerscharen an Widersachern. Es ist nicht ungewöhnlich, konstant zwischen zehn und fünfzehn Kontrahenten gleichzeitig zu bekämpfen, was dazu führt, dass ihr in einem kurzen Moment der Unachtsamkeit eingekreist und mit einem Hagel aus Schlägen bedeckt werdet. Damit jedoch nicht genug, denn so wie ihr die Feinde greifen und werfen könnt, ist dies im Gegenzug selbstverständlich ebenso möglich. Trotz des kurzen Fensters von Unverwundbarkeit, was davor schützen soll, nach einem Wurf in einem permanenten Zustand der Paralyse zu enden, ist es durchaus möglich, aus Versehen in die gleiche Gegnergruppe reinzurollen, nur um daraufhin wieder auf dem Hosenboden zu landen. Gerade in der anfänglichen Lernphase müsst ihr also einiges an Frustresistenz mitbringen.

 

Zum Glück legt sich dieses Problem im Laufe der Zeit, auch wenn es nie vollständig verschwindet, da ihr nicht nur an Erfahrung, sondern auch vor allem an Stärke und Ausrüstung gewinnt. Jeder Levelaufstieg ermöglicht nämlich eine weitere Feinjustierung des eigenen Spielstils. Insgesamt sieben Attribute, namentlich Schlag, Tritt, Waffe, Werfen, Intelligenz, Glück und Ausdauer, welche jeweils den individuellen Schaden der Kategorie oder die eigenen Lebenspunkte erhöhen, können nach eigenem Gutdünken erhöht werden. Die erwerbbare Ausrüstung wie Helme, Brustpanzer oder Handschuhe, die jeweils diese individuellen Attribute erhöhen und sogar weitere Boni bereithalten, garantieren eine zufriedenstellende langfristige Progression und sorgen definitiv für einen Motivationsschub. Sollte auch das nicht helfen, könnt ihr einfach ein paar Freunde dazuholen und kooperativ herumprügeln.

 

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In puncto audiovisueller Präsentation ist River City Saga ein eher zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite sehen die Avatare der verschiedenen Figuren während der Zwischensequenzen teilweise so aus, als wurden sie mit einem Weichzeichner überzogen und wirken generell ein wenig billig. Dagegen sprechen auf der anderen Seite die unzähligen liebevoll ausgearbeiteten Expressionen der Charaktere. So etwa, wenn Guan Yu von einem Moment auf den anderen die Hutschnur platzt und sich sein gemäßigter Blick in eine feurige Explosion der Wut verwandelt, in dem selbst die Drachenverzierung auf seiner Schulter rot aufleuchtet und feurige Dampfwolken ausstößt.

 

Ähnliche Gegensätze werden dann auch in der Levelarchitektur sichtbar, in der ein waschechter 16-Bit-Pixellook auf ausgewaschene, niedrig aufgelöste 3D-Hintergründe trifft. Während man das Umgebungs- und Hintergrunddesign dementsprechend bestenfalls als funktional beschreiben könnte, prescht die Liebe zum Detail bei den Pixelanimationen hingegen mit voller Stärke nach vorne. Das Heben und Senken der Schultern während Guan Yus Atemzügen oder die à la Bugs Bunny austretenden riesigen Augen, sobald sich ein Feind im Schwitzkasten befindet – River City Saga brilliert auf der einen und schlampt auf der anderen Seite.

 

Musikalisch gibt es dahingegen nicht viel zu meckern. Die Stücke orientieren sich erwartungsgemäß an der dargestellten Zeitperiode und pflegen sich passend in das Actiongewitter ein. Spezifische Streichinstrumente sowie Flötenmelodien, die primär mit asiatischen Klängen assoziiert werden, mischen sich mit modernen Perkussionsinstrumenten und rockigen Stücken. Insgesamt nichts, was als einzigartig herausstechen würde, zugleich die altertümliche Atmosphäre allerdings treffend unterstützt.

 

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Fazit:

River City Saga: Three Kingdoms ist ein solides Beat 'em up, das mich dennoch mit gemischten Gefühlen zurücklässt. Einerseits sind die unterschiedlichen Rollenspielelemente hervorragend mit dem Grundkonzept des Prüglers verwoben und kreieren eine ordentliche Langzeitmotivation. Andererseits widerspricht dies der klassischen „pick up and play“-Natur, die das Genre über Jahre in Spielhallen kultivierte und fähige Spieler binnen kürzester Zeit den Abspann sehen ließ.

 

Alle von Arc System Works hinzugefügten Features brüllen mich jedoch geradezu förmlich an, ein oder zwei Stunden vor der Konsole zu verbringen und nicht nach einem Level aufzuhören, so wie ich es beispielsweise in einem Streets of Rage oder Double Dragon täte. Gleichzeitig leidet River City Saga: Three Kingdoms an dem gleichen inhärenten Problem wie alle anderen Genrevertreter: Repetition.

 

Und gerade jene kürze Sessions der weniger komplexen anderen Beat 'em ups helfen dabei, einen möglichen Burn Out zu vermeiden, während River City Saga: Three Kingdoms mich aufgrund seiner ausführlichen Geschichte sowie Rollenspielsysteme länger an den heimischen Fernseher fesseln möchte und einen eventuellen Überdruss fast schon forciert.

 

Letzten Endes würde ich aber dennoch eine Kaufempfehlung aussprechen. Tiefgang verspricht der neuste Ableger der Reihe nämlich allemal und trotz der einen oder anderen aufkeimenden Frustration, habe ich mich gern durch die Welt des antiken Chinas gekämpft.

Infos
River City Saga: Three Kingdoms
River City Saga: Three Kingdoms Packshot
Publisher: Arc System Works
Entwickler: APLUS
Release: 2022-07-21
Zusammenfassung
Ordentliches Beat 'em up, dem es ein wenig an Finesse fehlt.
Positiv
  • Individualisierungsoptionen
  • Cooler Pixellook...
  • Koop
Negativ
  • Repetitiv
  • ...der mit den Hintergründen kollidiert
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